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Drei Länder · eine Sprache · drei Standards

Deutsch klingt in drei Ländern anders

Und es wird in dreien auch anders geschrieben. Auf dieser Seite steht, was Sie hier wirklich hören, was Sie nicht hören, und wie groß der Unterschied gemessen ist.

Wörter, die sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheiden
01 · Bundesdeutsches HochdeutschDeutschland02 · Österreichisches DeutschÖsterreich03 · Schweizer HochdeutschSchweiz
8Stimmen8Stimmen8Stimmen
KartoffelnErdäpfelKartoffeln
TomatenParadeiserTomaten
SahneObersRahm
JanuarJännerJanuar
BürgersteigGehsteigTrottoir
FahrradFahrradVelo
FahrkarteFahrkarteBillett
StraßeStraßeStrasse
Alle Stimmen auf dieser Seite lesen hochdeutsche Sätze vor. Sie hören also die Standardsprache mit der Aussprache des jeweiligen Landes — nicht Mundart. Bairisch, Wienerisch und Schwyzerdütsch sind eigene Varietäten und kommen hier nicht vor.

01

Was Sie hören — und was nicht

Für jedes Land drei Angaben: was in den Aufnahmen zu hören ist, was die Mundart des Landes hat und hier fehlt, und wie sich der geschriebene Standard unterscheidet. Die dritte Angabe ist die, die sonst niemand macht.

  • 3 Länder
  • 24 Stimmen
  • Common Voice · CC0 1.0

Deutschland

Berlin · 8 Stimmen

Zu hören

Das bundesdeutsche Hochdeutsch ist zu dem geworden, was die meisten Ohren als «neutral» einordnen, und das ist keine Entscheidung gewesen, sondern eine Folge: Die großen Wörterbücher werden hier gemacht, und die reichweitenstärksten Nachrichten ebenfalls. Wenn Sie eine Vorlesestimme hören und nicht darüber nachdenken, woher sie kommt, ist es meistens diese.

Nicht zu hören

Deutschland ist innerlich weit vielfältiger, als diese Stimmen zeigen. Bairisch, Sächsisch, Schwäbisch, Kölsch, Plattdeutsch — davon ist hier nichts zu hören, und das liegt an der Quelle: In Common Voice haben zwar über dreitausend Menschen «Deutschland Deutsch» angegeben, aber nur eine Handvoll hat zusätzlich eine Region genannt. Vier Personen schrieben «Schwäbisch», drei «Fränkisch», eine «Hessisch». Aus vier Menschen lässt sich keine Auswahl bauen. Wir behaupten deshalb nichts über Regionen innerhalb Deutschlands.

Geschriebener Standard

Deutschland ist das einzige der drei Länder, in dem das ß im vollen Umfang gilt: Straße, Fuß, heißen. Nach der Reform von 1996 steht es nur noch nach langem Vokal und nach Diphthong — aus «daß» wurde «dass», aus «Fluß» wurde «Fluss». Wer einen Text mit ß hier einfügt, bekommt ihn genau so vorgelesen.

Österreich

Wien · 8 Stimmen

Zu hören

Was Sie hier hören, ist österreichisches Standarddeutsch: dieselbe Grammatik, dieselbe Rechtschreibung wie in Deutschland, aber ein anderer Tonfall und andere Vokale. Die Endung «-ig» klingt am Wortende härter als in Hannover, das «Chemie» beginnt mit einem k-Laut, und die Satzmelodie steigt an Stellen an, an denen sie in Norddeutschland fällt.

Nicht zu hören

Kein Wienerisch, kein Tirolerisch, kein Vorarlbergerisch. Das sind bairische beziehungsweise alemannische Mundarten, und sie unterscheiden sich vom Standard weit stärker als das, was hier zu hören ist. Vorarlberg ist sprachlich ohnehin ein Sonderfall: Es gehört zum alemannischen Raum und liegt damit näher an der Schweiz als an Wien.

Geschriebener Standard

Österreichisches Deutsch ist keine Sammlung von Abweichungen, sondern eine kodifizierte Standardvarietät. Es hat seit 1951 ein eigenes amtliches Regelwerk, das «Österreichische Wörterbuch». Und es ist der einzige Fall, in dem Wortschatz in einem europäischen Vertrag steht: Beim EU-Beitritt 1995 ließ Österreich im «Protokoll Nr. 10 über die Verwendung spezifisch österreichischer Ausdrücke der deutschen Sprache» 23 Bezeichnungen absichern — darunter Erdäpfel, Topfen, Marillen und Faschiertes. Der Wahlkampfslogan von damals lautete: «Erdäpfelsalat bleibt Erdäpfelsalat.»

Schweiz

Zürich · 8 Stimmen

Zu hören

Schweizer Hochdeutsch: die Standardsprache, so wie sie in der Deutschschweiz gesprochen wird, wenn vorgelesen wird. Das r wird häufiger gerollt, das ch sitzt weiter hinten und klingt kräftiger, und die Endsilben werden weniger verschluckt als nördlich des Rheins. Für viele Deutsche ist es die angenehmste der drei Varianten zum Zuhören, weil langsamer und deutlicher artikuliert wird.

Nicht zu hören

Und jetzt das Wichtigste auf dieser Seite: Das ist nicht Schwyzerdütsch. Die Mundart der Deutschschweiz ist alemannisch, sie ist die alltägliche Sprache von der Bäckerei bis zum Bundesrat, und sie ist für Deutsche und Österreicher größtenteils unverständlich — deutsche Sender untertiteln Schweizer Mundart. Common Voice nennt sein Feld zwar «Schweizerdeutsch», aber die Menschen darin haben hochdeutsche Sätze vorgelesen. Wer hier Schwyzerdütsch erwartet, bekommt es nicht, und wir tun nicht so, als wäre es anders.

Geschriebener Standard

Die Schweiz schreibt kein ß. Nicht als Nachlässigkeit, sondern als geltende Rechtschreibung: Strasse, Fuss, heissen. Der Kanton Zürich hörte am 1. Januar 1938 auf, das Zeichen zu unterrichten, die Neue Zürcher Zeitung stellte als letzte Schweizer Zeitung am 4. November 1974 auf ss um, und die Reform von 2006 hat den Zustand festgeschrieben. Auf einer Schweizer Tastatur gibt es die Taste gar nicht — der Platz wird für die Akzente des Französischen und Italienischen gebraucht.

02

Und hier ist die Messung

Derselbe deutsche Satz, von jeder Stimme gelesen, danach von einer Spracherkennung wieder angehört und mit dem Original verglichen. Der Wert ist der Anteil richtig erkannter Zeichen, gemittelt je Land.

  • Spannweite 0,000
  • 24 Stimmen
  • whisper-large-v3-turbo
LandRichtig gelesen
Deutschland1,000
Österreich1,000
Schweiz1,000

Alle drei Länder erreichen den Höchstwert: Die Spracherkennung hat jeden Satz vollständig richtig verstanden, aus jedem Land. Das ist der Beleg für den Satz weiter oben — wären es echte Mundarten, müsste vor allem die Schweiz deutlich abfallen, denn an Schwyzerdütsch scheitern Spracherkenner regelmäßig. Der Unterschied, den Sie hören, liegt in Tonfall und Vokalen, nicht in Wortschatz und Grammatik.

Und die Grenze dieser Messung gleich dazu: Weil alle drei den Höchstwert erreichen, kann sie nur die Frage beantworten, ob ein Land abfällt — nicht, welches Land dem Standard näher liegt. Dafür bräuchte es ein Maß mit mehr Spielraum nach oben.

03

Woher die Aufnahmen kommen

Die Aufnahmen stammen aus Common Voice, dem offenen Sprachkorpus von Mozilla. Menschen lesen dort freiwillig Sätze vor und geben selbst an, aus welchem Land ihr Deutsch kommt und welches Geschlecht sie haben — wir raten nichts. Das Material steht unter CC0 1.0 und darf ohne Namensnennung verwendet werden. Die Auswahl ist an einer Stelle knapp: Für die Schweiz haben im gesamten Korpus nur dreizehn Frauen beides angegeben. Deshalb sind es pro Land und Geschlecht gleich viele Stimmen und nicht mehr — eine gleichmäßige Auswahl ist ehrlicher als eine große, die zu neunzig Prozent aus Deutschland käme.

Mehr dazu auf Über das Projekt.

04

Fragen zu den drei Ländern

Ist Schweizerdeutsch dasselbe wie Schweizer Hochdeutsch?

Nein, und das ist der häufigste Irrtum überhaupt. Schweizer Hochdeutsch ist die Standardsprache mit Schweizer Aussprache — das, was in Nachrichten und beim Vorlesen gesprochen wird. Schwyzerdütsch ist eine alemannische Mundart, die Sprache des Alltags, und für Deutsche größtenteils unverständlich; deutsche Sender untertiteln sie. Die Stimmen hier sind Schweizer Hochdeutsch.

Warum schreibt die Schweiz kein ß?

Weil es dort seit Jahrzehnten nicht mehr unterrichtet wird. Der Kanton Zürich stellte am 1. Januar 1938 den Unterricht ein, die Neue Zürcher Zeitung ging am 4. November 1974 als letzte Schweizer Zeitung auf ss über, und die Rechtschreibreform von 2006 hat den Zustand festgeschrieben. Auf einer Schweizer Tastatur fehlt die Taste — der Platz wird für die Akzente des Französischen und Italienischen gebraucht.

Ist österreichisches Deutsch eine eigene Sprache?

Keine eigene Sprache, aber eine eigene Standardvarietät — mit eigenem amtlichem Regelwerk seit 1951, dem Österreichischen Wörterbuch. Und es ist der einzige Fall, in dem Wortschatz in einem europäischen Vertrag steht: Beim EU-Beitritt 1995 ließ Österreich 23 Bezeichnungen im Protokoll Nr. 10 absichern, darunter Erdäpfel, Marillen und Topfen.

Höre ich hier Bairisch oder Wienerisch?

Nein. Alle Stimmen lesen hochdeutsche Sätze vor, also hören Sie die Standardsprache mit der Aussprache des jeweiligen Landes. Mundarten kommen hier nicht vor — weder Bairisch und Sächsisch noch Wienerisch, Tirolerisch oder Schwyzerdütsch.

Aktualisiert 2026-09-05